Kunst am Bau

Mal leuchten sie einen von kurz unter der Decke an, mal treten sie einem auf einem Mauervorsprung unvermittelt vor das Auge. Dann wieder geleiten sie majestätisch in das nächste Stockwerk oder hängen frech mitten im Raum. Die Rede ist von Rolf Kilians Entwürfen und Realisationen, die unter der Rubrik „Kunst am Bau“ subsummiert sind. Dieser offizielle Titel trifft die Essenz der Werke freilich nicht. Rolf Kilians Farbanordnungen, Verschiebungen, Ausragungen und Überlagerungen sind weniger „an einem Bau“, als „im“ und „mit einem Bau“. So sehen sie gar nicht ein, dass sie sich den räumlichen Konstellationen unterordnen sollten. Ganz im Gegenteil, die Leinwände, Wandmalereien oder Paneele mischen sich im besten Sinne ein, erforschen durch ihre Anwesenheit die Gegebenheiten, verändern sie, indem sie das Terrain abstecken. Sie arbeiten mit Ecken und Kanten und lassen sie von jedem Winkel aus in neuem Licht erscheinen.

Wie viel Grün verträgt eine Wand? Hoffnung? Wie viel Linie ein Treppenabsatz? Leitung? Wie viel Eindringen verkraftet ein Raum? Querdenker? Es sind offene Spiele, Experimente, die Rolf Kilian in seiner Kunst am Bau betreibt. Sie vermögen nicht nur die Benutzer der Räume stetig neu anzuregen, sondern gehen auch als Erkenntnisse in seine Werke wie Daten in eine Forschungsarbeit ein. Freilich ist auch hier alles im Fluss, die Genres in Kilians Oeuvre bedingen sich wechselseitig. Die Kommunikation bricht nicht ab – just wie es eben in einem – für was auch immer erstellten – Bau sein sollte.