Sabine Heilig    pro arte kunststiftung ulm   2014

 

Rolf Kilian benutzt die Farbe unter dem Gesichtspunkt ihrer raumbildenden Kraft (D. Sonntag)

Sein Farbspektrum ist nicht reduziert, sondern er verwendet sie entsprechend der von ihm gewünschten 

Wirkungen. Dabei gibt es Farbannäherungen ebenso wie starke Farbkontraste, er stellt z. B. Schwarz 

gegen Gelb oder Rostrot gegen Hellgelb. 

Als Malmaterialien verwendet er Eitempera auf Leinwand oder Holz und Aquarell und Gouache auf Papier.

Der Farbauftrag ist mal deckend flächig, meist aber luzid streifig und in flächenhaftem Gestus ins Bild gesetzt.

Der Künstler möchte durch die Transparenz statisch unbewegliche Farbflächen vermeiden.

Das Ungewöhnlichste im Werk von Rolf Kilian sind seine Bildformate. Er sprengt mit ihnen unsere übliche 

Vorstellung vom Bild, denn seine Gründe sind oft mehreckig und ungleichförmig geschnitten.

 

Viereckige Formate gibt es auch, diese werden dann manchmal sogar auf ein Eck gestellt, sozusagen 

aus dem Lot genommen. Nicht nur hierbei stellt sich sofort die prinzipielle Frage, ob und warum ein Bild 

eigentlich rechtwinklig sein müsse?

Für Rolf Kilian bietet die amorphe Außenform die Möglichkeit, dieser im Bildinnern durch farbliche 

Setzungen zu antworten. So entwickelt er auf der Bildfläche ein eigenes Bezugssystem räumlicher Elemente

Das können kastenartige Verschachtelungen sein oder auch sich überschneidende Flächen, 

aneinanderstoßende Körper und perspektivische Besonderheiten. Die verzerrten Außenkanten fügen 

sich auf den Bildflächen zu eigenen Raumkörpern, ein Raum im Raum entsteht.

Petra Mostbacher-Dix hat in einem Text davon geschrieben, der Künstler wage mit seinem Werk einen 

Angriff auf unsere Wahrnehmung. Ja, wir sind gefordert. Nichts erschließt sich auf den ersten Blick. 

Die malerischen Verschränkungen und Gegenüberstellungen entwickeln erst beim genauen Hinsehen 

ihren eigenen Charakter und ihre Dynamik.

 Auch Rolf Kilian bleibt mit seinen Motiven im Bereich einer geometrischen Abstraktion. 

Neben Kuben, Quadern und mehreckigen Körpern stehen Rechtecke, Quadrate und Mehrecke, 

ist Zweidimensionalität gegen die dritte Dimension gestellt. Erstaunlich ist das, was im Innern dieser Formen

passiert, was neben den perspektivischen Illusionen erzeugt wird. 

Hier kommt die Malerei wieder ins Boot. Sie ist der Auslöser zum Übergreifen der Gebilde in den Raum

Die Formen leben auf der Fläche vom malerischen Duktus des Pinsels. Hinzu treten die Wirkungen 

der Farben, das Licht, das in ihnen gespeichert ist, ihr emotionaler Wert. Das ist klar durchdacht, 

wenngleich sich im Prozess des Machens auch immer eine unbekannte Dimension verbirgt. 

„Die Grenzen des Bildbegriffs zu begreifen, ist mein Anliegen“, sagt Rolf Kilian dazu und 

er wolle den Raum, der sein Werk umgibt, immer mit einbeziehen. Kilian fordert den Betrachter 

zu weiteren Überlegungen heraus.

Dieser didaktische Ansatz ist meines Erachtens nicht unwichtig für sein künstlerisches Ansinnen, 

wenngleich er die Wirkungen seiner Bilder als frei und „bei aller Kompliziertheit auch als mühelos“ 

beschreibt (R.Kilian über R.Kilian, 2014). Die Vielschichtigkeit der Erscheinungen, umgesetzt in 

malerische Konstrukte, werden von ihm ebenso spielerisch wie hintergründig ausgelotet.